Beispiel
Das Beispiel dient der Erläuterung, was unter qualitativen Veränderungen verstanden wird.
Die Schülerin oder der Schüler bearbeitet die gleichen Aufgaben wie die anderen, bekommt aber Hilfestellungen und veränderte Rahmenbedingungen, um diese Aufgaben trotz ihrer oder seiner Beeinträchtigung bewältigen zu können.
Beispiel: Körperliche Beeinträchtigung, speziell eingeschränkte Feinmotorik
So nicht:
Ein Schüler mit stark eingeschränkter Feinmotorik muss in einer Mathematikarbeit keine geometrischen Konstruktionen mit Zirkel und Lineal anfertigen, sondern bekommt stattdessen Aufgaben, die nur das Rechnen mit Zahlen erfordern.
Warum ist das eine qualitative Veränderung?
Hier wird die Anforderung »Anwenden geometrischer Werkzeuge und Konzepte« verändert und ein ganzer Themenbereich des Mathematikunterrichts umgangen.
Richtig:
Der Schüler darf für geometrische Konstruktionen spezielle Hilfsmittel (z. B. besondere Zirkel, Schablonen, rutschfeste Unterlage) verwenden, bekommt eine Zeitzugabe und die Größe der Darstellung wird den motorischen Fähigkeiten des Schülers angepasst.
Wenn keine spezifischen Hilfsmittel die feinmotorischen Beeinträchtigungen adäquat ausgleichen können, kann der Schüler die Lehrkraft verbal anweisen, die Konstruktion auszuführen.
Warum ist das ein Nachteilsausgleich?
Die Anforderung »Verständnis und Anwendung geometrischer Prinzipien« sowie »Durchführung von Konstruktionen« bleiben erhalten.
Die Rahmendedingungen werden so angepasst, dass der Schüler trotz seiner Beeinträchtigung der Feinmotorik nachweisen kann, dass er die Arbeitsschritte der Konstruktion unter Verwendung geometrischer Werkzeuge verstanden hat und anwenden kann.
Wenn die geometrischen Werkzeuge aufgrund der motorischen Voraussetzungen versagen, ist das kein Anwendungsfehler des Schülers, sondern ein technisches Problem, das im Rahmen des Nachteilsausgleichs aufgefangen wird.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Nachteilsausgleich die Rahmenbedingungen der Leistungserbringung anpasst, um die Auswirkungen der Beeinträchtigung zu mildern, aber nicht die eigentlichen Lernziele, den Schwierigkeitsgrad der Aufgaben oder die Bewertungskriterien verändert. Es geht darum, faire Bedingungen für alle Schülerinnen und Schüler zu schaffen, damit sie ihr tatsächliches Können zeigen können.